Schweizer Energieunternehmen beteiligen sich an umstrittenen deutschen Kohlekraftwerksplanungen
Im westlich von Bremen gelegenen Dörpen will die EnBW zusammen mit den Bernischen Kraftwerken (BKW) ein neues Kohlekraftwerk bauen. Das eidgenössische Energieunternehmen gehört zu 52 Prozent dem Kanton Bern. "Allein das Kraftwerk in Dörpen wird ungefähr so viel CO2 produzieren wie die gesamte Bevölkerung des Kantons Bern", warnt Inge Stemmer, Sprecherin der Bürgerinitiative Saubere Energie Dörpen. Die Tessiner Elektrizitätswerke (AET), die noch zu hundert Prozent dem Kanton gehören, beteiligen sich in Lünen, nördlich von Dortmund, am Bau eines Kohlekraftwerkes. Und in Brunsbüttel an der Unterelbe steigen gleich fünf Schweizer Unternehmen in das Geschäft mit der dreckigen Kohle ein. "Ohne Schweizer Beteiligung könnte dieses Klimakiller-Kraftwerk gar nicht gebaut werden", sagt Arne Frijahn, Sprecher der Bürgerinitiative Gesundheit und Klimaschutz Unterelbe. Und auch in Brunsbüttel beteiligen sich mit den Energieunternehmen indirekt die Schweizer Kantone am Geschäft mit der Kohle. Beispiel Rätia Energie: sie will sich alleine mit über 900 MW beteiligen und gehört fast zur Hälfte dem Kanton Graubünden.

Mit den Kohle-Geschäften der Schweizer Stromfirmen werden auch die Stromkunden betrogen, die bei den Unternehmen "grünen" Öko-Strom beziehen - auch in Deutschland. Dies geschieht entweder in Kooperation mit deutschen Stromanbietern oder unter eigenem Namen. Beispiele sind "Pure Power" der Rätia Energie oder "Volt und Wald" der Flensburger Stadtwerke mit 100 Prozent Strom aus dem Wasserkraftwerk L’Hongrin; dieses ist zu über 50 Prozent im Besitz der Romande Energie und Groupe E. „Würden deren Ökostrom-Kunden wissen, dass sie unwillentlich neue Kohlekraftwerke finanzieren, wäre der Protest groß und die meisten würden sofort wechseln", sagt Arne Firjahn von der Bürgerinitiative Gesundheit und Klimaschutz Unterelbe aus Brunsbüttel. Auch ist kaum zu kontrollieren, ob in Zeiten des Stromüberangebotes zukünftig mit "schwarzem" Kohlestrom Pumpspeicherkraftwerke gefüllt werden und deren Strom wieder "grün" verkauft wird.

